Donnerstag, 10. Juni 2010, 18:30 Uhr

Referent: Thomas Haury (Soziologe und Historiker aus Freiburg)
Ort: Altgebäude der TU, Pockelsstrasse 4, Raum SN 19.4
VeranstalterInnen: Antifaschistische Gruppe Braunschweig

Zum Inhalt:

Zum Verhältnis von Antisemitismus, Antizionismus und linken Denkmustern

Linke und Antisemitismus? Das scheint nicht zusammenzupassen. Doch je genauer man hinschaut, desto fremder schaut es zurück: „Zerschlagt das zionistische Staatengebilde ´Israel´!“ wurde nach 1967 zur Parole fast der gesamten „revolutionären“ Neuen Linken in Westdeutschland von der Dritte-Welt-Solidarität über die K-Parteien bis hin zur RAF.

Und auch heute wird Israel immer wieder beschuldigt, einen „Vernichtungskrieg“ zu führen und als bloßer „Staat aus der Retorte“ (Junge Welt) in seiner Existenz negiert. Andere propagieren die Solidarität mit Hamas oder Hisbollah. In Hamburg wird die Aufführung eines Filmes des Shoah-Regisseurs Claude Lanzmann von linken Anti-Imperialisten verhindert und in der taz vom 9. März 2010 ist zu lesen, zum Bestandteil jeder „israelischen Postpubertätsbiografie“ gehöre es, „mindestens einmal Suff, Sex und eine Auschwitzreise erlebt zu haben“.

Seit über zwanzig Jahren wird innerhalb der Linken über derlei Positionen debattiert und heftigst gestritten: Sind sie nichts als antiimperialistisch-internationalistische „Israelkritik“, oder sind sie als antisemitisch zu klassifizieren? Doch was ist überhaupt Antisemitismus, was sind seine Kennzeichen? Spätestens wenn die „linke“ Parole „Sieg im Volks¬krieg!“ von mit Pali-Tüchern ausstaffierten Neonazis skandiert wird, müssen diese Fragen geklärt und gängige linke Denkmuster kritisch hinterfragt werden.

Referent: Dr. Thomas Haury (Soziologe und Historiker aus Freiburg)

Veröffentlichungen (Auswahl):

- Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR, Hamburg 2002

- Von der linken Kritik des Zionismus zum antisemitischen Antizionismus von links. In: S. Salzborn (Hg.): Antisemitismus. Geschichte und Gegenwart, Giessen 2004

- „… ziehen die Fäden im Hintergrund“. No-Globals, Antisemitismus und Antiamerikanismus. In: Hanno Loewy (Hg.): Gerüchte über die Juden. Antisemitismus, Philosemitismus und aktuelle Verschwörungstheorien, Essen 2005

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